OT: Shekarchi / AT: The Hunter - Regie, Drehbuch:
Rafi Pitts - Kamera: Mohammad Davudi - Schnitt: Hassan Hassandoost
- Musik: ... - Darsteller: Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat,
Hassan Ghalenoi, Manoochehr Rahimi, Ismail Amini Young, Nasser Madahi,
Ali Mazinani, Ossta Shah-Tir, Saba Yaghoobi u.a. - Iran, Deutschland
2010 - 88 min.
Ali (Rafi Pitts) lebt mit seiner Frau
(Mitra Hajjar) und seiner sechsjährigen Tochter (Saba Yaghoobi)
in der Metropole Teheran. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis
arbeitet er in einer Fabrik, doch wegen seiner Gefängnisstrafe
erlauben ihm seine Vorgesetzten nur während der Nachtschicht
zu arbeiten. Zeit mit seiner Familie kann Ali deswegen kaum
noch verbringen.
Dennoch versucht er, ein normales Leben zu führen. Von
Zeit zu Zeit zieht er sich in die Wälder zurück, wo
Stille herrscht und Einsamkeit. Hier, im Niemandsland wilder
Natur, geht Ali auf die Jagd. Im Dickicht der Bäume sucht
er nach einem möglichen Ziel.
Doch die trügerische Ruhe seiner geregelten Lebensbahnen
wird herausgefordert, als die Stadt in Aufruhr gerät. Menschenmassen
ziehen durch die Straßen und die Tumulte erfassen bald
auch Ali und seine Familie. Eines Tages kehrt Ali in eine verwaiste
Wohnung zurück - seine Frau und seine Tochter sind spurlos
verschwunden. Nach stundenlangem Warten auf der Polizeistation
erfährt er schließlich, dass seine Frau bei einer
Demonstration erschossen wurde, doch von seiner Tochter fehlt
jede Spur.
Hilfe kann er von der Polizei nicht erwarten - im Gegenteil,
sie verdächtigt ihn, mit den Demonstranten zu sympathisieren.
Zwei Tage später wird auch sein Kind tot aufgefunden. Von
maßlosem Zorn ergriffen, nimmt Ali sein Gewehr und bezieht
Stellung auf einem Aussichtspunkt über den zirkulierenden
Highways Teherans. Als ein Polizeiwagen in sein Blickfeld gerät,
glaubt Ali sein Ziel gefunden zu haben.
ZEIT DES ZORNS ist die so melancholische wie drängende
Anatomie einer Rache. Mit Bildern, die nach Himmel und Hölle
greifen, gelingt Rafi Pitts ein zeitloses, hochsymbolisches
und lyrisches Kunstwerk über Stillstand und Bewegung in
einem getriebenen Land. Der schon mehrfach preisgekrönte
Regisseur lässt aus Entrückung und Schweigen eine
fesselnde Leuchtkraft entstehen, er schuf das aufrechte Porträt
einer unbefriedeten und unbefriedigten Gesellschaft.
Presse (Berlinale 2010):
"Seinen Titel verdankt Rafi Pitts' Film dem atemberaubenden
Vexierspiel, das er betreibt: Ali zog in seiner Freizeit gern
mit dem Gewehr durch die Wälder. Nachdem er seine Familie
verloren hat, legt er sich mit der Waffe am Stadtring auf die
Lauer. Zwei Polizisten tötet er, und dann wird der Jäger
Ali gejagt von zwei Jägern, die wiederum einander jagen.
Sein Drama eines totalen Gefangenseins in den Verhältnissen
erzählt Rafi Pitts fast lakonisch. ZEIT DES ZORNS ist die
Anatomie einer Rache ebenso wie ein Porträt des Iran. Es
ist ein großartiger Film."
(Anke Westphal; Berliner Zeitung)